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Dieses Menü oder keines
Weshalb ein Genfer Restaurant nur ein einziges Menü serviert
Manchmal ist Einfachheit Trumpf. Das ikonische «Le Café de Paris – Chez Boubier» in Genf serviert nur ein Gericht: Entrecôte mit Pommes und Salat, dazu Café-de-Paris-Butter. Das Rezept? Streng geheim.
Genf ist nicht nur für sein touristisches Wahrzeichen bekannt, den Jet d’eau, sondern auch für eine gastronomische Ikone: «Le Café de Paris – Chez Boubier». Nur einen Katzensprung vom Bahnhof Cornavin entfernt, bietet das Brasserie-inspirierte Restaurant nur ein einziges Menü an. Das Rinds-Entrecôte mit Café-de-Paris-Butter, Pommes frites und einem grünen Salat überzeugt die Gäste seit fast einem Jahrhundert. Das Konzept geht auf das Jahr 1930 zurück. Damals hiess der Betrieb noch «Le Café de Paris» und war eine traditionelle Brasserie. Doch dann übernahm der damalige Besitzer Arthur-François Dumont ein legendäres Butter-Rezept von seinem Schwiegervater, Monsieur Boubier, einem Genfer Gastronomen. Daraus entstand das Konzept des einzigen Menüs. Ende der 1960er-Jahre ging das Lokal in den Besitz der Familie Vouillamoz über, einer Familie aus dem Wallis, die diese Tradition bis heute fortführt.
Gleichbleibende Qualität
Aber ist das nicht altmodisch in einer Zeit, in der Restaurants mit Vielfalt um Kundschaft wetteifern? Jérémy Vouillamoz, der gemeinsam mit seiner Schwester Diana das «Café de Paris – Chez Boubier » leitet, räumt alle Zweifel aus: «Gerade das Ein-Gang-Konzept hat uns bekannt gemacht. Die Leute wissen, warum sie hierherkommen. Hier fragt der Serviceangestellte nur nach dem Gargrad des Fleisches.» Seiner Meinung nach bietet dieses Konzept Vorteile in der Küche. Es ermöglicht, stets mit frischen Produkten zu arbeiten, die Vorräte rasch zu erneuern und trotz eines hohen Servicevolumens eine Konstante Qualität zu gewährleisten. Der Erfolg des Betriebes beruht auch auf dem Geheimnis, das die legendäre Café- de-Paris-Butter umgibt. Tatsächlich kennt niemand das Rezept, ausser Diana, Jérémy und Vater François, der das Restaurant 1989 übernommen hatte, bevor er 2022 die Leitung seinen beiden Kindern überliess. Das Originalrezept schlummert im Tresor einer Genfer Bank.
Restaurant mit Kultstatus
«Das Geheimnis ist Teil unserer Identität. Die Gäste versuchen oft, die Zutaten zu erraten – vergeblich. Das nährt eine Legende, die alle amüsiert und fasziniert», verrät Jérémy Vouillamoz. Und fügt dann scherzhaft hinzu: «Die Café-de-Paris-Butter ist ein bisschen wie der Zaubertrank von Asterix und Obelix. Die Leute drängeln sich, um sie zu probieren!» Das Lokal zieht die Massen an, aus der Schweiz, aber auch aus Europa und dem Nahen Osten. Ein weiteres Zeichen für seinen Erfolg sind die Franchise-Filialen im Wallis sowie in Frankreich, Spanien, Saudi-Arabien, den Vereinigten Arabischen Emiraten und in Katar. «Dort wird genau dieselbe Butter serviert wie in Genf», betont Jérémy Vouillamoz stolz.
Ein spezieller Ort
Trotz der sich wandelnden Essgewohnheiten bleibt der junge Inhaber zuversichtlich. «Wir respektieren die Wünsche der Gäste und bieten bei Bedarf Alternativen an, insbesondere für Gruppen. Aber unser Markenzeichen bleibt das einzigartige Gericht.» Im Laufe der Jahrzehnte ist das «Café de Paris – Chez Boubier» mehr als nur ein Restaurant geworden. Es hat sich als echter Ort des Lebens etabliert. Familien kehren seit mehreren Generationen dorthin zurück, um eine Geburt zu feiern. Paare haben sich dort kennengelernt, da die Tische sehr eng beieinander stehen, wie es der Tradition der Pariser Brasserien entspricht. Für viele Menschen bedeutet das Betreten des Restaurants also, einen Teil ihrer Geschichte wieder aufleben zu lassen.
Text: Eugenio D’Alessio
Foto: Valentin Flauraud
Portrait
JÉRÉMY VOUILLAMOZ
Der 31-Jährige leitet «Le Café de Paris – Chez Boubier» gemeinsam mit seiner Schwester Diana. Er wurde in Genf geboren und stammt aus Isérables VS. Nach seinem Abschluss an der Hotelfachschule Genf trat er 2018 als Serviceangestellter ins Familienrestaurant ein, bevor er in der Küche, an der Bar und schliesslich in der Geschäftsleitung tätig wurde.