Im Fokus

Filmreifes Restaurant-Erlebnis

Ein Film zum Anbeissen

Was haben Harry Potter, die Ratte Rémy aus «Ratatouille» und Captain Jack Sparrow aus «Fluch der Karibik» gemeinsam? Sie alle sind regelmässig zu Gast bei Baris Terzi und seinem Team im Restaurant Pishi in Olten SO. Bei ihren «Eat-the-film»-Abenden servieren sie Gerichte exakt in jenem Moment, in dem sie auch auf der Leinwand erscheinen.

Sie sind mit einem klassischen Brunch-Restaurant gestartet. Wie kam es zur Idee für Eat-the-film-Events? 

Während einer Japan-Reise habe ich gesehen, wie kreativ man Essen inszenieren kann. Besonders inspiriert hat mich ein Harry-Potter-Café mit thematischen Desserts aus den Filmen – etwa Hagrids berühmter Schokoladenkuchen mit pinker Glasur aus «Harry Potter und der Stein der Weisen». Da dachte ich mir: So etwas müsste doch auch in der Schweiz funktionieren. Also begann ich, Filmszenen zu analysieren und zu überlegen, welche Gerichte wir möglichst originalgetreu und gleichzeitig praktisch umsetzen können. Harry Potter machte den Anfang – danach kamen immer mehr Filme dazu, wie zum Beispiel «Ratatouille», «Grease» oder «Charlie und die Schokoladenfabrik». 

Hand aufs Herz: Wie oft kommt die Frage nach Popcorn? 

Tatsächlich nie. Vielleicht, weil unsere Gäste schnell merken, dass bei uns – anders als im Kino – die Kombination aus Film, Atmosphäre und Kulinarik im Vordergrund steht. Wenn wir mal einen Film ins Programm aufnehmen, bei dem in einer Szene Popcorn genascht wird, werden wir unsere Gäste aber auch damit verwöhnen. 

Welche Filmszene würden Sie persönlich sofort essen wollen? 

Wahrscheinlich etwas aus der Anime-Serie «One Piece». Dort gibt es den Charakter namens Sanji, der aus einfachen Gerichten etwas Besonderes macht. Seine Fleischbällchen, der gebratene Reis oder die dampfende Nudelsuppe sehen jedes Mal so gut aus, dass ich am liebsten direkt in den Bildschirm greifen würde. Aber auch die Pancakes der Teletubbies kämen für mich definitiv infrage. 

Sie servieren die Speisen minutengenau passend zu den Filmszenen. Wie gelingt die präzise Abstimmung zwischen Küche, Service und Inszenierung? 

Der Schlüssel dazu ist die Vorbereitung. Unsere warmen Gerichte sind bereits vor Filmbeginn fertiggekocht. Gläser und kalte Speisen stehen bereit und müssen während der Vorstellung nur noch serviert werden. In einem klassischen Fine-Dining-Restaurant kann man sich mehrere Minuten Zeit nehmen, um einen Teller zu verfeinern – diese Zeit haben wir während der Filmvorführung nicht. Wenn dreissig Teller gleichzeitig serviert werden müssen, zählt jede Sekunde. Deshalb funktioniert unser Konzept nur mit perfektem Mise en Place. Sobald während des Films etwas fehlt, gerät sofort das gesamte Timing durcheinander. Eine einzige Minute kann bei einem Film von eineinhalb Stunden bereits den ganzen Ablauf verschieben. 

Wie viele Personen sind nötig, damit der Ablauf gelingt? 

Zwei Personen stehen hinter dem Herd, zwei arbeiten im Service, jemand ist für das Geschirr zuständig und eine Person ist für die Heimlieferungen unserer Köstlichkeiten im Einsatz. Neben den Eat-the-film-Vorstellungen läuft bei uns am Abend nämlich noch der Lieferdienst mit klassischen Bestellungen weiter. Ohne perfekte Vorbereitung würde das niemals funktionieren. 

Was war für Sie persönlich die grösste Herausforderung? 

Herausfordernder als erwartet ist für mich meine Rolle als Manager. Der organisatorische Aufwand hinter solchen Filmabenden ist enorm und nimmt viel Zeit in Anspruch. Gleichzeitig manage ich neben unserem Standort in Olten auch noch unser Pop-up-Restaurant in Zürich sowie unseren Standort in Weil am Rhein, direkt an der Grenze zu Basel. Der normale Restaurantbetrieb läuft dabei weiter. Aber ich glaube, der Stress gehört einfach dazu, sobald man mehrere Restaurants gleichzeitig führt. 

Wie kompliziert ist es, die Filmrechte für Ihre Events zu erhalten? 

Es gibt Firmen, die sich darauf spezialisiert haben, solche Rechte zu organisieren. Über sie holen wir die Filmlizenzen ein und bezahlen dann pro Zuschauerin und Zuschauer einen bestimmten Prozentsatz an die Firma und die Rechteinhaber. Aufwendiger wird es, wenn man die Lizenzen direkt bei Studios wie Warner Bros. oder Universal einholen muss. 

Muss Gastronomie heute Entertainment bieten, um zu überleben? 

Zu fünfhundert Prozent. Die klassischen Stammtische sind am Aussterben. Die wenigsten Leute gehen heute nach der Arbeit noch jeden Abend ins Restaurant, um ein Bier zu trinken. Diese Einnahmen fehlen. Viele junge Leute verbringen ihre Freizeit anders, etwa zu Hause oder beim Sport. Deshalb glaube ich, dass Restaurants heute mehr bieten müssen als nur gutes Essen. Die Leute wollen ein Erlebnis. Genau darum setzen wir bei Pishi stark auf Social Media, kreative Inhalte und spezielle Themenabende wie unsere Eat-the-film-Events. 

 

Text: Meryem Rezgui Foto: Christoph Kaminski

Portrait

Baris Terzi

Alter: 33 
Lieblingsfilm: Alle Harry-Potter- und Herr-der-Ringe-Teile 
Hobbys: Fussball, reisen und natürlich Filme schauen 
Ziel: Entertainment und gutes Essen verbinden