Montag, 04.05.2026

Armeekoch mit Ambitionen

Zusammen mit seinem Kollegen Luis Schumacher (26) wirkt Pascal Arnold (20) bei der Umsetzung ausgewählter Anlässe der Schweizer Armee mit. Sie kümmern sich dabei insbesondere um die Organisation und die Verpflegung: Von internen Veranstaltungen über den Besuch ausländischer Delegationen und den Rapport einer Bundesrätin oder eines Bundesrates bis hin zu Grossanlässen mit 700 Personen.

Was macht die Armee für Sie als Koch attraktiv? 
Dass sie eine grosse Vielfalt an Aufträgen bietet und kein Tag dem anderen gleicht. Das selbständige Arbeiten sowie die unterschiedlichen Anlässe ermöglichen es mir, Neues auszuprobieren. 

Für wen kochen Sie und Ihr Team? 
Unser Auftrag umfasst die Durchführung von bundesinternen Anlässen sowie offiziellen Staatsempfängen. Dazu gehören die Konzeption und Umsetzung von grossen und kleinen Banketten auf hohem Niveau ebenso wie Einsätze in der Gemeinschaftsgastronomie. Unser Arbeitsalltag reicht vom Empfang einer ausländischen Delegation mit acht Gästen bis hin zu Rapporten mit bis zu 700 Teilnehmenden – die Vielfalt macht unsere Arbeit besonders spannend. 

Welches sind dabei die grössten Herausforderungen? 
Die Bedürfnisse der Gäste im Voraus richtig einzuschätzen und darauf abgestimmte Angebote zu entwickeln. Gerade bei Grossanlässen ist die Verpflegung ein Zahnrad, das reibungslos mitlaufen muss – egal, was passiert. Zeitplanänderungen, Verspätungen oder plötzlich eine Stunde früher als geplant: Das liegt oft ausserhalb unseres Einflusses. Umso wichtiger ist es, jederzeit flexibel und einsatzbereit zu sein. 

Warum ist diese Arbeit für Sie besonders spannend? 
Jeder Einsatz ist anders. Für praktisch jeden Event kreieren wir ein neues, massgeschneidertes Angebot. Zusätzlich arbeiten wir bei den Anlässen mit WK-Soldaten aus dem Swiss Armed Forces Culinary Team (SACT) zusammen. Von diesen Kolleginnen und Kollegen kann man enorm viel lernen – und sich fachlich wie persönlich weiterentwickeln. 

Was unterscheidet Sie und Ihr Team von herkömmlichen Truppenköchen? Sowohl, was das Kochen, die Menüs als auch das ganze Drumherum betrifft. 
Ein zentraler Unterschied liegt in der RS für selektionierte Truppenköche. Pro RS werden rund zwei Rekruten bei uns gezielt aus- und weitergebildet, mit dem Ziel, später Teil des SACT zu werden. Dieses Team stellt wiederum unser WK-Personal. Dadurch arbeiten wir ausschliesslich mit ausgebildeten Profis zusammen – was in anderen Armeeküchen nicht immer der Fall ist. Das erleichtert unsere wichtige repräsentative Aufgabe erheblich und ermöglicht es uns, sie auf einem konstant hohen Niveau umzusetzen. 

Sie haben im September 2025 bei den Euro Skills in Dänemark im Bereich «Küche» Bronze gewonnen. Mit welchem Menü haben Sie die Jury überzeugt und warum wurde Ihre Kreation Ihrer Meinung nach so hoch bewertet? 
Ich denke, ausschlaggebend war, dass ich zu hundert Prozent hinter jedem einzelnen Gericht stand. Ich brachte meine persönliche Geschichte auf den Teller. Dadurch entstanden authentische Gerichte mit viel Herzblut – und das überzeugte die Jury. Ein Beispiel sind meine zweifarbigen Ravioli, zur Hälfte mit Kakao eingefärbt, serviert mit Käseschaum sowie karamellisierten Zwiebeln mit Schokolade. Ist das nicht typisch Schweiz? Oder mein dekonstruiertes Lemon-Tarte-Dessert: eine Meringue in Form eines Schaumkusses, gefüllt mit Lemoncurd und serviert auf einem Florentinerboden. Natürlich habe ich im Vorfeld sehr intensiv mit meinem Coach und Experten Martin Amstutz an den Gerichten getüftelt, bis sie genau unseren Vorstellungen entsprachen. 

Was bringt diese Bronzemedaille im Hinblick auf Ihre Karriere? 
Die EuroSkills haben mir enorm viel gebracht. Ich konnte mich sowohl menschlich als auch fachlich stark weiterentwickeln. Zudem durfte ich viele neue Kontakte knüpfen, von denen ich bis heute profitiere. Ich kann jedem nur empfehlen: Wenn sich eine solche Chance bietet, sollte man sie unbedingt ergreifen und Vollgas geben. Man kann nur gewinnen. Beruflich hat mir diese Erfahrung viele Türen geöffnet. 

Wovon träumen Sie als Koch? 
In den nächsten Jahren möchte ich einfach lernen, lernen, lernen. Solange ich solch eine Freude daran habe, was will ich dann mehr? Aber es gibt noch viel, das ich sehen möchte. Das finde ich auch das Schöne an unserem Beruf: dass man von jedem Betrieb und jeder Person immer wieder Neues lernen kann. Ich kann mir auch gut vorstellen, nochmals im Ausland zu arbeiten. Unter anderem reizt mich die skandinavische Küche sehr. Irgendwann möchte ich mein Wissen weitergeben. Ich habe jedoch noch keine Ahnung, ob in einem eigenen Restaurant oder in der Berufsschule. 

PASCAL ARNOLD
Lieblingsmenü: Cordon bleu 
Liebste Küche: Nordische Küche 
Das mag ich gar nicht: Gorgonzola 
Vorbilder: Björn Frantzén, Andreas Caminada 
Hobbys: Skifahren, Skitouren, Biken, Wandern 

 

Text: Susanne Stettler 
Foto: David Birri, SwissSkills/Michael Zanghellini