Montag, 23.02.2026
Da braut sich etwas zusammen
Abwarten und Tee trinken, das muss jemand, der Geduld beweisen soll. Abwarten wollte Tamara Grob (43) aber nicht, Tee trinken dafür umso mehr. Lange suchte sie eine Ausbildung zur Tee-Sommelière, die richtig in die Tiefe geht. Im Fernstudium an der World Tea Academy mit Sitz in den USA wurde sie fündig und zögerte nicht lange mit der Anmeldung. Rund eineinhalb Jahre und über 150 getestete Teesorten später durfte sie sich Tee-Sommelière nennen. Im September 2023 machte sie sich damit dann selbstständig. Erst mit einem eigenen Onlineshop für unterschiedliche Tees, später mit der «Tee Akademie». Da bietet Grob Aus- und Weiterbildungen an und berät Gastrounternehmen in sämtlichen Tee-Belangen. «Ich arbeite zudem eng mit der Schweizerischen Hotel- und Gastrounion zusammen und bilde mittlerweile selbst die ersten Tee-Gastronomen aus», sagt Tamara Grob. Dieser Aspekt ihres Schaffens gefalle ihr am besten. «Es macht mich so glücklich, wenn die Leute nach dem ersten Modul richtig aufblühen und sich von meiner Begeisterung anstecken lassen.»
TEE ALS CHAMPAGNER-ERSATZ
Ebenso freut es sie, dass der Tee massenfähiger wird und sich immer mehr Menschen dafür interessieren. So finden Tees ihren Weg auf die Getränkekarten der Spitzengastronomie. In letzter Zeit serviert man da des Öfteren sogenannte «Sparkling Teas» als Champagner-Ersatz und auch der koffeinhaltige Mate-Tee erfreut sich gerade bei jungen Menschen grosser Beliebtheit. «Wobei Mate ein Kräuteraufguss und kein klassischer Tee ist», erklärt die Expertin. Tee dürfte eigentlich nur genannt werden, was aus den Blättern und Blattknospen der Teepflanze (Camellia sinensis) gebrüht wird. Während sie früher auch einfach mal einen Beuteltee in heisses Wasser getan hat, ist Tamara Grob die Qualität der Tees jetzt sehr wichtig. «Und auch, dass man sich Zeit dafür nimmt. Wenn ich heute Tee trinke, ist das ein fast meditativer Akt», sagt sie. Am liebsten nimmt sie sich abends Zeit dafür und braut sich einen Grüntee oder einen Oolong-Tee. Damit kann sie optimal runterfahren. Sie wünscht sich, dass Tees künftig mehr Beachtung geschenkt wird. «Gerade hierzulande dürfte man ein bisschen experimentierfreudiger sein. Die Schweiz ist ein Kräutertee-Land.» Und so gibt die Schweizer Sommelière unter anderem Tipps, welche Tees man am besten zu scharfen Gerichten serviert.
BLUMIG: SCHWARZTEE ZU CHILISCHÄRFE
Tamara Grob ist überzeugt vom Schwarztee. «Er ist elegant, mild, blumig und ausgewogen. Die gute Qualität des Tees erkennt man an der gleichmässigen Färbung der Blätter», sagt sie. Sie empfiehlt den Tee zu Gerichten, die mit Chili geschärft wurden. «Meerrettich-Schärfe passt nicht. Ein leichtes Gericht wie weisser Fisch harmoniert ebenfalls nicht so gut mit dem Schwarztee.» Stattdessen empfiehlt Tamara Grob etwas Kräftigeres mit Schwein oder Räuchertofu.
UMAMI: GRÜNTEE AUF LACHS
Tee eignet sich nicht nur gut als Getränk zu scharfem Essen, er kann selbst als Komponente in ein Gericht integriert werden. «Sencha-Grüntee weist einen spinatigen, nussigen Duft auf. Er ist butterig und hat einen Umami-Geschmack, das macht ihn vielseitig einsetzbar.» Ein Safransüppchen, weisses Fleisch, Seafood oder leichtes Blätterteiggebäck passen gut dazu. Tamara Grob empfiehlt, die aufgegossenen Teeblätter mit Chili, Sojasauce und Sesam zu mischen und als Topping auf Lachs zu geben. Das Ganze kann dann auf Reis mit Edamame und Avocado serviert werden.
Text: Fabia Bernet
Foto: Palazzolo Films