Montag, 25.05.2026
Der Schweizer Chef von Relais & Châteaux
Wie würden Sie persönlich den Geist von «Relais & Châteaux» beschreiben?
Es ist wie eine grosse Familie von Hotels und Restaurants. Alle Betriebe sind eigenständig, teilen aber die Werte der Vereinigung. Es ist ein Qualitätssiegel, das in der ganzen Welt höchstes Ansehen geniesst. Anders als bei anderen Ketten können die Mitglieder die Strategie mitbestimmen. Des Weiteren ist «Relais & Châteaux» die einzige Vereinigung weltweit, die neben Hotels auch Michelin-Restaurants aufnimmt – und damit einen Fokus auf exzellente Gastronomie legt.
Wie entwickelten sich die Mitgliederzahlen in den vergangenen Jahren?
Sie sind sehr stabil. Unser Präsident Laurent Gardinier legt Wert auf die Qualität der Mitglieder, was vereinzelt natürlich auch zu Austritten führen kann. Gleichzeitig werden ausschliesslich ausgewählte Top-Hotels und -Restaurants zur Mitgliedschaft eingeladen. Ziel ist nicht primär Wachstum, sondern ein gezielter Ausbau mit den richtigen Häusern in sinnvollen Destinationen.
Gibt es für die Schweizer «Relais & Châteaux»-Betriebe auch Herausforderungen?
Die Marke ist in der Schweiz und in Liechtenstein noch zu wenig präsent, obwohl die Länder zu den Kernmärkten gehören. Alle unsere Häuser sind top aufgestellt und es gibt eine grosse Nachfrage von ausländischen Gästen. Vom inländischen Markt profitieren wir zurzeit aber im Vergleich noch zu wenig.
Dann sprechen wir doch über einige Vorzeigebetriebe. Welche sind besonders innovativ?
Jedes Haus ist auf seine Art innovativ. Ein Haus hervorzuheben, ist unmöglich. Eines hat zum Beispiel gerade einen grossartigen Umbau mit einer Stararchitektin realisiert und erlebt eine Renaissance. Ein anderes Hotel schreinert alle seine Möbel selbst und der Gast darf durch die Küche laufen, um in sein Zimmer zu gelangen – ein echtes Wow-Erlebnis. Ein anderer Betrieb ist mit 18 Gault-Millau-Punkten und einem Michelin-Stern dotiert, der Koch bezieht alle Produkte aus der Region. Wieder ein anderes Hotel besitzt einen eigenen Rebberg und produziert seinen eigenen Wein.
Wie würden Sie aus Sicht des Gastes ein typisches Erlebnis in einem «Relais & Châteaux»-Haus beschreiben?
Typisch ist eigentlich nichts bei uns, aber die Herzlichkeit sollte ein Gast immer spüren. Die ehrliche Gastfreundschaft und auch der enge Kontakt zu den Gastgebern sind zentrale Elemente.
Die Kulinarik spielt bei der Vereinigung eine zunehmend grosse Rolle. Erzählen Sie uns, was der hauseigene «World Culinary Council» ist?
Das WCC trifft sich einmal pro Jahr und bietet einen super Austausch für sämtliche Mitglieder. Den Vorsitz hat der argentinische Starkoch Mauro Colagreco, eine der schillerndsten Figuren in der Kulinarik- Szene weltweit. Die Gruppe diskutiert innovative, aber auch nachhaltige Themen und bringt sie für alle Mitglieder auf den Radar. Hier pushen sich die Kuchenchefs gegenseitig zu Höchstleistungen und alle können von den anderen profitieren.
Die Vereinigung setzt auch auf Nachhaltigkeit. Wie wird diese gemessen?
Mit MyImpact hat die Vereinigung eine digitale Plattform geschaffen, damit alle Mitglieder ihren eigenen CO₂-Fussabdruck erstellen, sich daran messen und sich verbessern können. Ziel ist es, dass jedes Haus vorwärtskommt und sich mehr auf die Nachhaltigkeit konzentriert. Der Gast muss auf keinen Service verzichten, aber er nimmt wahr, dass wir versuchen, so nachhaltig wie möglich mit den Ressourcen umzugehen.
Relais & Châteaux
Die Vereinigung Relais & Chateaux wurde 1954 in Frankreich gegründet und umfasst heute 580 unabhängige Hotels und Restaurants weltweit. In der Schweiz mit dabei sind unter anderem das L’Hotel de Ville in Crissier VD, das In Lain Hotel Cadonau in Zernez GR sowie das Chalet Hotel Schönegg in Zermatt VS.
Text: Simone Knittel
Foto: Pascal Gertschen, Relais & Châteaux – Grand Hôtel du Lac, Xavierferrand.com, Hôtel de la Cigogne, Hotel Walther