Montag, 20.04.2026
Goldjunge Mateo Hoefliger
Wie fühlen Sie sich als bester Kochlernender der Schweiz?
Richtig realisiert habe ich es noch nicht. Aber es fühlt sich nach dem intensiven Training in den letzten Monaten crazy an. Seit Januar hatte ich kaum Freizeit und habe das Menu neunmal unter Wettbewerbsbedingungen probegekocht. Am Samstagnachmittag nach dem gusto-Wettbewerb habe ich mir dann wieder einmal zwei Stunden auf dem Snowboard gegönnt. Aber das intensive Training hat sich gelohnt – auch wenn beim Wettkochen nicht ganz alles so klappte wie beim Proben.
Was war passiert?
Ich schaute zwischendurch auf die falsche Uhr und dachte fälschlicherweise, ich sei im Verzug. Das brachte mich kurzzeitig durcheinander und führte zu Flüchtigkeitsfehlern. Am Schluss schickte ich den Hauptgang auch noch etwas zu spät. Entsprechend hatte ich nach dem Wettkochen eigentlich kein Top-Gefühl. Aber da bin ich oft zu kritisch.
Speziell hervorgehoben hat die Jury den harmonischen Geschmack Ihrer Gerichte.
Das freute mich sehr, denn darauf legte ich viel Wert und das entspricht auch meiner Überzeugung: Ich koche lieber reduzierter, dafür auf den Punkt gebracht. Im Vergleich zu anderen Finalteilnehmenden hatte ich weniger Komponenten auf dem Teller, dafür konnte ich in diese viel Handwerk investieren.
Zur Aufgabe gehörte auch die Mystery-Soup, deren Warenkorb Ihnen eine halbe Stunde vor dem Start von Tim Mälzer per Video vorgestellt wurde.
Dass Tim Mälzer das machte, war eine super Überraschung! Die Suppe selbst war für mich dann keine eine Hexerei. In meinen Probeläufen im Ausbildungsbetrieb Casino Bern erhielt ich von Florian Bettschen oder Marcel Schori, die mich unterstützten, jeweils auch spontan etwas aus dem Frigo und konnte die Suppe üben. Wobei es nie Topinambur war.
Worauf sind Sie besonders stolz bei Ihren Gerichten?
Dass ich, abgesehen von drei Kornblumen auf der Suppe, nichts auf dem Teller hatte, das nur für die Optik war. Alles hatte einen Zweck und trug zum Geschmack bei. Und dass wirklich alle Komponenten meine Ideen waren. Natürlich erhielt ich Feedback beim Ausarbeiten und später beim Proben. Kreiert und zusammengestellt habe ich aber alles selbst.
Wie sind Sie dabei vorgegangen?
Zuerst schrieb ich mir ganz viele Ideen für einzelne Komponenten ohne zu werten auf und sortierte diese danach über Wochen aus. Erst viel später begann ich überhaupt zu kochen. Aber schon dieser Prozess war sehr lehrreich. gusto hat mich allgemein sehr weitergebracht. Einerseits persönlich: Ich lasse mich in der Hektik inzwischen viel weniger aus der Ruhe bringen. Aber auch fachlich, denn man kocht im Alltag ja selten auf diesem Level. Und es war eine perfekte Vorbereitung auf das Qualifikationsverfahren zum Lehrabschluss, welches Anfang Juni ansteht.
Was machen Sie danach?
Ich würde gerne in der Sternegastronomie arbeiten und weitere Erfahrungen sammeln. Vielleicht löse ich im Herbst auch bereits meinen gusto-Preis ein und gehe für das zweiwöchige Stage ins Restaurant Alinea nach Chicago. Darauf freue ich mich sehr. Voraussichtlich 2028 steht dann das Militär an. Danach schaue ich weiter. Irgendwann möchte ich sicher im Maison Hornberg meiner Eltern einsteigen. Dort sind meine Wurzeln.
Was nehmen Sie von gusto mit – abgesehen vom Gewinn?
Die Erinnerung an eine megatolle Zeit. Ich kann nur allen empfehlen, mitzumachen. Es ist ein einmaliges Erlebnis, vom Training über den top organisierten Anlass bis hin zu den vielen neuen Leuten, die man kennenlernt. Wir hatten es unter den Finalteilnehmenden super und von der Siegerehrung in Bern habe ich ebenfalls die eine oder andere Visitenkarte mit nach Hause genommen. Mal schauen, was sich daraus ergibt.
MATEO HOEFLIGER
Er ist 18 Jahre alt und befindet sich im dritten Ausbildungsjahr im Casino Bern. Das Vorbild des «gusto26»-Siegers ist Andreas Caminada mit seiner auf das Wesentliche konzentrierten Spitzenküche. Mateo Hoefliger arbeitet am liebsten auf dem Posten des Sauciers und kocht privat besonders gerne Schmorgerichte.
gusto
gusto ist die Schweizer Meisterschaft für Kochlernende im 2. und 3. Lehrjahr. Organisiert wird sie von Transgourmet/Prodega unter dem Patronat des Schweizer Kochverbandes. Unterstützt wird der Anlass von Presenting Partner Schweizer Fleisch, den Leading Partnern Bell, Emmi, Hügli, Kadi und Valser sowie zahlreichen weiteren Sponsoren. Die nächste Ausschreibung startet im August 2026.
Text: Thomas Bürgisser
Foto: Transgourmet/Prodega