Montag, 01.06.2026

KI in die Küche integrieren

Mit «Aidvisors» wollen Gründer Jonas Schäfer und KI-Coach Enrique Isler die Hospitality-Branche KI-fit machen, Chancen aufzeigen und für Gefahren sensibilisieren. Roboter darf man in der Küche keine erwarten – dafür mehr Zeit für die schönen Seiten des Berufes.

Jonas Schäfer, Sie haben Aidvisors gegründet und die «KI-Masterclass» gestaltet. Sind Sie Hotelier oder KI-Experte? 
Schäfer: Ich bin diplomierter Hotelier und habe während meines Studiums bereits in Start-ups mit KI-Fokus mitgearbeitet. An der SHL Luzern kam beides zusammen und wir haben die erste KI-Masterclass lanciert. Das Interesse ist riesig und Aidvisors wächst. Es wurde wohl unterschätzt, was KI in der Branche alles leisten kann. 

Wie sehen die KI-Schulungen aus? 
Schäfer: In den Grundschulungen vermitteln wir die Basics an alle. Das Wissen ist bei vielen noch gering, was oftmals Gefahren im Bereich Datenschutz, aber auch fehlende Effizienz bedeutet. Später gehen wir in die einzelnen Bereiche wie Küche oder Marketing und analysieren die Prozesse. Es gibt inzwischen viele KI-Tools, die man nutzen kann, um Aufgaben zu optimieren. Aber es ist zentral, das Passende zu finden, sonst verzettelt man sich. Wir arbeiten mit Coaches zusammen wie Enrique, die dann beispielsweise im Bereich Küche coachen können. 

Enrique Isler, wie sieht denn Ihre KI-Nutzung im Berufsalltag aus? 
Isler: Als Executive Küchenchef plane ich viele Events mit Hilfe eines «Function Sheets», eines Ablaufplans. Es enthält Menüplanung, Zeitangaben und so weiter. KI-Tools können das blitzschnell weiterverarbeiten und gleichzeitig selektiv auf einzelne Teams zuschneiden, sodass jede und jeder weiss, welche Punkte sie oder ihn betreffen. Wenn ich neue Ideen habe, kann ich das dem Programm diktieren, und es wird in Sekunden zu einem ganzen Dossier – wahlweise für das Niveau eines Lernenden oder auch für eine Fachperson. 
Schäfer: Das Ziel ist es, dass KI die «mühsamen Arbeiten» erspart und dafür mehr Zeit für eigene Ideen oder für das Zwischenmenschliche bleibt. 
Isler: KI ist kein Hokuspokus, sondern ein Werkzeug. Sie unterstützt in der täglichen Arbeit, aber sie übernimmt nicht einfach alles für einen. 

Wie findet man sich im Dschungel von Tools zurecht? 
Schäfer: Viele probieren bekannte generative KI-Tools wie ChatGPT, Google Gemini, Claude AI oder Microsoft Copilot für alles Mögliche aus. Meist ohne Effizienzsteigerung. Ich würde überlegen, wo es im Berufsalltag repetitive Aufgaben gibt, die ich automatisieren könnte, und dann schauen, ob ein passendes Tool existiert. 
Isler: Generative KI kann Betriebe beispielsweise bei der Produktionsplanung deutlich unterstützen. Dafür gibt es unzählige Tools. 

Wer profitiert von einer KI-Schulung? Wird KI Kosten einsparen oder Mitarbeitende ersetzen? 
Schäfer: Vom kleinen Restaurant bis zur grossen Hotelkette profitieren alle. Auch diejenigen, die sich als Profis einschätzen, lernen noch viel dazu. Bezüglich Kostenersparnis: Der Kauf eines Tools lohnt sich, wenn die Kosten kleiner sind als der Gegenwert der Stunden, die Mitarbeitende mit der entsprechenden Aufgabe verbringen würden. Ganz allgemein ist es für einen Betrieb wichtig, dass er bei der digitalen Entwicklung nicht abgehängt wird. Aber ich bin überzeugt, dass gerade Hotels und Restaurants im Hinblick auf die zunehmende Digitalisierung als «echte» Orte für die Menschen sehr wichtig sind – und dafür braucht es gute Mitarbeitende. 

Zur Kehrseite von KI: Wie wichtig sind Themen wie Datenschutz, Sicherheit im Netz und Faktencheck? 
Schäfer: Diese Bereiche nehmen vor allem am Anfang sehr viel Raum ein, denn KI birgt durchaus auch Gefahren. Die Prüfung von Quellen beispielsweise ist sehr wichtig, das wird viel zu wenig gemacht. Es fehlen auch Guidelines der Unternehmen für ihre Mitarbeitenden, die vorbeugen können, dass sensible Daten von Angestellten oder Gästen im Internet landen. Für mich ist das übrigens ein zentrales Anliegen: Nicht, wie ich mit KI viel Geld verdienen kann, sondern was passiert, wenn wir die Entwicklung nicht steuern? 

 

JONAS SCHÄFER 
Alter: 28 
Hobbys: HIIT-Fitness und Kochen 
Ziel: Die Hospitality-Branche durch den Einsatz von KI in eine erfolgreiche Zukunft führen 

ENRIQUE ISLER 
Alter: 42 
Hobbys: Sport und Zeit mit der Familie 
Ziel: Weiterhin mein Wissen weitergeben, egal ob an den Nachwuchs oder an andere Küchenchefinnen und -chefs (

 

KI-Schulung & Coaching für die Küche 
Aidvisors bietet verschiedene Module im Bereich KI-Schulungen für die Hospitality-Branche im ganzen DACH-Raum an. Daten und Kursprogramm unter: aidvisors.ch/kitchen 

 

Text: Simone Knittel 
Foto: Christoph Kaminski