Montag, 26.01.2026
«Lieblingsbeck» neu gedacht
Was war die Initialzündung zur Gründung von «Bakery Bakery»?
Lycra Stattmann: Ich war mit einem veganen Catering tätig und hatte daher Erfahrung in der Backstube. Kevin hat das Unternehmen «Outlawz» (pflanzliche Fleischalternativen, Anm. der Redaktion) mitgegründet. Uns beiden fehlte jedoch eine Bäckerei mit guten veganen Backwaren. Das wollten wir ändern.
Kevin Schmid: Ich höre oft den Satz, dass es für ein bestimmtes Angebot keine Nachfrage gibt. Ich sehe das anders. Wenn wir keine neuen Angebote schaffen, wissen wir auch nicht, wie sich die Nachfrage entwickelt. Manchmal muss man etwas wagen.
Seit der Gründung 2019 habt ihr zehn Filialen eröffnet.
Kevin Schmid: Wir verkaufen längst nicht mehr einfach Gebäcke. Und «vegan» ist auch nicht das wichtigste Verkaufsargument, auch wenn das Angebot weiterhin rein pflanzlich ist. Wir schaffen einen modernen Ort, an dem sich die Leute gerne aufhalten und verantwortungsvoll konsumieren können. Es geht mehr um ein Gefühl als um die veganen Gipfeli. Gleichzeitig gibt es auch Leute, die uns meiden, weil ihnen etwa suspekt ist, dass wir unsere Backwaren gendern: Der Spitzbueb heisst bei uns Spitzmensch. Aber das ist für uns in Ordnung – wir richten uns nicht an jede und jeden.
Ende 2025 habt ihr ein Rebranding durchgeführt. Was bedeutet das für Euer Unternehmen?
Lycra Stattmann: Das Rebranding geht über den reinen Auftritt hinaus. Es war auch ein innerer Prozess. Das alte Logo loszulassen, fiel uns nicht leicht. Aber es war an der Zeit, denn wir haben uns weiterentwickelt. Darum schärften wir unsere Vision. Dabei gehen wir Schritt für Schritt vor. Nur weil wir neue Verpackungen haben, landen die alten nicht einfach in der Tonne, sie werden noch verwendet. Ein nachhaltiger Ansatz ist uns wichtig.
Das neue Leitbild heisst «we care, we challenge, we take responsibility».
Lycra Stattmann: Die Werte waren immer da. Nun haben wir sie klar formuliert.
Kevin Schmid: Das Rebranding warf Fragen auf. Was treibt uns an? Wollen wir wachsen, um mehr Geld zu verdienen? Das war aber nicht unser oberstes Ziel. Die Vision ist, dass wir wachsen wollen, um den Leuten verantwortungsvollen Konsum anbieten zu können. Unser Leitbild – sich einzusetzen, zu Hinterfragen und Verantwortung zu übernehmen – hat für mich viel Power. Wir leiten daraus alle Grundsätze ab, auch beispielsweise bei der Teamführung und bei den Kundenbeziehungen.
Lycra Stattmann: Die Unternehmenskultur ist so, dass wir wöchentlich in der Geschäftsleitung zusammensitzen und uns hinterfragen und auch herausfordern. Es wird viel diskutiert. Wir schaffen einen Rahmen, um uns weiterzuentwickeln.
Kevin Schmid: Es gibt Momente, in denen wir etwas entscheiden, weil wir es unbedingt wollen. Aber es zählen die Argumente, nicht die Hierarchie. Denn je breiter der Entscheid abgestützt ist, desto mehr wird er mitgetragen. Das bedeutet auch, dass wir beispielsweise die Teamleitung der Standorte miteinbeziehen, wenn wir eine Filiale umbauen, damit wir ihre Perspektive hören. Wenn wir einfach von oben herab entscheiden, riskieren wir, dass die Leute ihre Begeisterung verlieren.
Wie wählt ihr neue Standorte aus?
Kevin Schmid: Wir haben zwei Arten von Filialen: Hochfrequenzlagen und Quartierläden. Mit den Hochfrequenzlagen verdienen wir Geld, mit den Quartierläden schaffen wir einen Ort für die Community. Der letzte Entscheid für einen Quartierladen war für uns eine Herzensangelegenheit – auch wenn er sich zahlenmässig wahrscheinlich nicht rechnet.
Ihr sprecht auf Social Media eine grosse Zielgruppe an. Zahlt sich die Online-Community in euren Verkäufen aus?
Kevin Schmid: Es ist eine jüngere Zielgruppe, die bei uns vielleicht noch nicht viel Geld ausgibt. Aber unsere Kundschaft deckt alle Altersgruppen ab, und sie wächst ja mit uns mit. Von der berufstätigen Person, die an den Hochfrequenzlage Kaffee holt, bis hin zu den Kleinsten, welche die «Bakery Bakery»-Quartierläden wegen der Kinderecke zum Spielen schätzen.
Was sind eure persönlichen Favoriten aus dem Sortiment?
Lycra Stattmann: Der Spitzmensch.
Kevin Schmid: Die Schoggigipfeli.
Text: Simone Knittel
Foto: Florian Spring