Montag, 09.02.2026

Wallis meets Thailand

Thailand und Wallis? Gegensätzlicher gehts fast nicht, sollte man meinen. Doch das täuscht. Jaruwan und Manfred Theler haben beide Welten erfolgreich fusioniert – sowohl privat als auch in ihrem Restaurant Brigerhof-Sukhothai.

Die Erwartungen an die Walliser Küche sind bei den meisten «Grüezini», wie die Üsserschwizer genannt werden, eng beschränkt: Raclette, Trockenfleisch, Roggenbrot, wenn es hoch kommt, noch Cholera und klar: Fendant. Aber es geht auch ganz anders. Wer in der Nähe des Briger Bahnhofs das Restaurant Brigerhof-Sukhothai betritt, begibt sich auf eine kulinarische Weltreise. Die führt über mehrere Hundert seltene Whisky-Sorten aus Schottland, Japan, den Hebriden, den USA und der Schweiz nach Jamaika und Kuba zu diversen Rum-Destillen und endet bei ihrem Höhepunkt: Thailands Küche. Am besten vergisst man alles, was einem in der Schweiz bisher als Thai-Food begegnet ist. In der Küche und im Service sind ausschliesslich Thailänder und Thailänderinnen am Werk, die ihr (Kunst-) Handwerk bestens verstehen. Zwei der Köche haben in Phuket in Fünfsterne- Häusern gearbeitet. 

DER BUNTE VOGEL 
Angefangen hat alles damit, dass sich der Elektromonteur und selbstdeklarierte «bunte Vogel» Manfred Theler vor langer Zeit in eine Thai namens Jaruwan verliebte, die in Zermatt wohnte. Doch der «bunte Vogel» war jung, liess Liebe Liebe sein und flatterte durch die Welt. Er landete unter anderem auch in Thailand und verliebte sich gleich nochmals – in die dortige Küche. «Wieder daheim im Wallis, kaufte ich als Erstes ein thailändisches Kochbuch und versuchte, Jaruwan mit meinen Künsten zu bezirzen», schaut Theler zurück. «Jaruwan aber kochte schon damals sehr viel besser als ich.» Die beiden übernahmen in Brig einen Gastro-Betrieb. «Am ersten Tag – wir hatten ein Buffet für 30 Personen vorbereitet – kam ein einziger Gast», erzählt Jaruwan Theler. «Doch es ging steil nach oben – am zweiten Tag hatten wir eine um 100 Prozent gesteigerte Frequenz: zwei Gäste.» Heute lachen beide darüber, aber damals musste der Walliser noch bei der Lonza arbeiten, um über die Runden zu kommen. 

ORIGINAL THAILAND 
Wirklich aufwärts ging es dann mit dem Ortswechsel in die Nähe des Bahnhofs und dem Kauf des Brigerhofs im Jahr 2007. «Inzwischen haben wir eine treue Stammkundschaft aus der Region aufgebaut, aber auch Gäste aus Basel oder Zürich», so Theler. Wie macht man das? «Mit viel Willen, noch mehr Liebe zum Kochen und den nötigen Zutaten», sagt Jaruwan Theler. Diese Zutaten – etwa Gewürze, von denen man hierzulande nicht mal den Namen kennt, aber auch Gemüse, Früchte und weitere Ingredienzen – kommen wöchentlich direkt aus Thailand. Nur der Wein, der stammt nach wie vor aus dem Wallis. «Von kleinen Weinbauern mit grossen Weinen, mit denen ich befreundet bin», sagt der Wirt. Und wie gut passen Thailand und Wallis eigentlich zusammen? «Sensationell, das sehen Sie ja an uns, wir sind seit 31 Jahren verheiratet», sagt Manfred Theler lachend. 

HARMONISCHES FOODPAIRING 
«Mit meinen Weinlieferanten hocke ich abend- und nächtelang zusammen und mache Foodpairing. Man möchte es kaum glauben, aber es gibt thailändisches Essen und Walliser Weine, die perfekt harmonieren.» Zum Rum und vor allem zum Whisky kam Theler über einen Gast. «Ich hatte keine Ahnung davon, doch nach dem ersten Schluck eines alten Lagavulin nahm es mir den Ärmel so was von rein. Ich machte Schulungen und saugte alles auf, was es über Whisky zu wissen gab.» An den Restaurantwänden und im Keller reihen sich um die 600 Einzelflaschen Whisky und Rum aus der ganzen Welt. Fast nur Einzelstücke. «Ich bin wie eine Bibliothek. Statt in die Bücherei kommen die Kunden hierher ins Restaurant zu einem meiner Tastings. Und statt ein paar Seiten zu lesen, probieren sie Whisky oder Rum, die ich danach für sie organisiere.» Eines steht jetzt schon fest: Wenn die Thelers dereinst aufhören, wird ihr Lebenswerk weitgeführt. «Unser Sohn hat die Hotelfachschule absolviert und bildet sich derzeit weiter», sagt Jaruwan Theler. Und wo? «Natürlich in Thailand.» Stolzer könnte eine Mutter nicht sein. 

 

MANFRED THELER 
Alter: 58 
Wann wussten Sie, dass Jaruwan die Richtige ist? Sehr schnell 
Welcher Whisky hat Sie am stärksten beeindruckt? Kein bestimmter, die Vielfalt ist das Interessante 
Wie beschreiben Sie «Thailand + Wallis» in drei Worten? Familie, Restaurant, Liebe 
Was macht Sie im Restaurant am glücklichsten? Zufriedene Gäste, die immer wieder kommen und natürlich unser Personal 

JARUWAN THELER 
Alter: 54 
Welche thailändische Zutat ist unverzichtbar? Vor allem thailändische Kräuter und Gewürze 
Was vermissen Sie aus Ihrer Heimat am meisten? Die Freundlichkeit und Gelassenheit der Leute 
Was kochen Sie für Ihren Mann privat? Mexikanisch, japanisch, thailändisch, Schweizer Küche – alles Mögliche 
Haben Sie Heimweh? Ja, aber wir gehen regelmässig nach Thailand 

 

Text: Franz Bamert 
Foto: Valentin Flauraud