Montag, 13.07.2026

Wenn Stars Weingüter besitzen

Seit Jahren bringen immer mehr Prominente ihren eigenen Wein auf den Markt. Doch wann macht es für Restaurants Sinn, solche Produkte anzubieten? Michael Kaben, Category Manager Wein bei Transgourmet/Prodega, ordnet ein.

Warum investieren Musikerinnen oder Schauspieler in Wein- und Spirituosenmarken? 
Zuerst muss man vorausschicken: Dieser Trend relativiert sich derzeit etwas. Das liegt auch daran, dass der klassische Weinmarkt in vielen Regionen rückläufig ist. Prominente investieren gezielter in Premiumsegmente, Spirituosen oder innovative Kategorien. Sie folgen also nicht einfach einem Trend, sondern positionieren sich strategischer und selektiver. 

Die Marken sind also gekommen, um zu bleiben? 
Es ist eher kein kurzfristiger Marketingtrend, sondern eine längerfristige Entwicklung. Die Ausprägung verändert sich aber leicht: Der Hype flacht etwas ab, das grundlegende Interesse bleibt bestehen. 

Ist ein Promi-Wein bloss cleveres Branding oder steckt Know-how dahinter? 
Oft steht zunächst das Branding im Vordergrund: Der bekannte Name sorgt für schnellen Marktzugang und Aufmerksamkeit. Das bedeutet aber nicht, dass es sich «nur» um Marketing handelt. Hinter vielen erfolgreichen Projekten steckt echte Kompetenz – häufig in Zusammenarbeit mit erfahrenen Winzerinnen und Winzern oder Produzenten. Langfristig überzeugt eine Marke mit Qualität, nicht nur mit Geschichte. 

Welche Marke überzeugt beispielsweise?
Vor allem jene, bei denen Prominente eng mit erfahrenen Produzenten zusammenarbeiten und das Projekt langfristig angelegt ist. Ein häufig genanntes Beispiel ist Brad Pitt mit dem Weingut Château Miraval, das sich gemeinsam mit der Familie Perrin im Premium-Rosé-Segment etabliert hat. 

Ist der Trend in der Gastronomie relevant? 
Im Retail ist er ausgeprägter als in derGastronomie. Im Handel funktionieren Promi-Marken über Sichtbarkeit, Wiedererkennung und Impulskäufe. «Big Names» können einen Wettbewerbsvorteil schaffen. In der Gastronomie stehen andere Faktoren im Vordergrund: Sommeliers und Einkäufer achten auf Qualität, Stilistik, Herkunft und ob die Marke zum Konzept passt. Ein prominenter Name reicht in der Regel nicht aus, um sich langfristig auf einer Weinkarte zu etablieren. 

Wann sind Celebrity-Weine oder - Spirituosen auf der Karte sinnvoll? 
Solche Marken können für Gastronomiebetriebe interessant sein, die stark auf Erlebnis, Lifestyle sowie eine jüngere oder international geprägte Zielgruppe setzen. Dazu zählen etwa trendige Bars, Rooftop-Locations, Beachclubs oder urbane Casual-Dining-Konzepte. Dort spielen Markenstorys und Wiedererkennungswert eine wichtige Rolle. 

Und wie setzt man sie ein? 
Am besten funktionieren solche Produkte dort, wo sie einen zusätzlichen Erlebnis- oder Kommunikationswert schaffen. Besonders geeignet sind sie für die Barkarte, etwa in Form von Signature Drinks oder unkomplizierten Serves, bei denen die Marke als Gesprächsanlass dient. Auch auf der Weinkarte können sie funktionieren – allerdings eher als ergänzendes Element oder als Einstieg im Offenausschank, weniger als Kernbestandteil einer kuratierten Selektion. 

Wo liegen die Risiken beim Einsatz solcher Marken? 
Ein Risiko ist die Abhängigkeit vom Hype: Solche Marken funktionieren häufig gut im Moment der Einführung, verlieren jedoch an Relevanz, wenn der Neuheitswert nachlässt. Deshalb gilt: Der Einsatz solcher Produkte sollte bewusst und selektiv erfolgen – als Ergänzung, nicht als tragende Säule des Sortiments. 

Wie stark beeinflussen Social Media und Popkultur die Nachfrage? 
Social Media und Popkultur beeinflussen die Nachfrage in der Gastronomie stark – insbesondere im unteren und mittleren Preissegment sowie in erlebnisorientierten Konzepten. Trends entstehen oft nicht mehr primär im Fachhandel oder über klassische gastronomische Empfehlungen, sondern über Plattformen wie Instagram oder TikTok. Gleichzeitig bleibt dieser Einfluss volatil: Was heute im Trend ist, kann morgen schon wieder verschwunden sein. Darum müssen Gastronomiebetriebe eine Balance finden zwischen Trendaffinität und konzeptioneller Stabilität. 

STARS IM SORTIMENT 
Folgende Produkte sind bei Prodega/Transgourmet aktuell im Sortiment: Prosecco, Prosecco Rosé sowie Sparkling Rosé alkoholfrei der Marke Kylie von Musikerin Kylie Minogue. Ausserdem Chardonnay und Zinfandel von F. Coppola, hinter welcher Regisseur Francis Ford Coppola steht, zudem Miraval Rosé Provence und Studio by Château Miraval aus dem Haus Château Miraval, das mit Brad Pitt verbunden ist. 

 

Text: Simone Knittel 
Foto: Helen Abraham Photography, Serge Chapuis/Chateau Miraval