Montag, 04.08.2025

Weine von Weltklasse

Ligornetto, eines der südlichsten Dörfer des Tessins, verfügt über ein für den Weinbau überaus günstiges Klima. Es bringt Trauben hervor, die so elegant sind, wie die der grossen französischen Weine. Seit über 40 Jahren prägt die Kellerei Vinattieri Ticino diese Region mit.

Die renommierte Kellerei Vinattieri entstand aus dem Wunsch des Weinhändlers und Winzers Luigi Zanini, eine Kellerei zu gründen, die in der Lage ist, aus den Trauben der Region einen eleganten Merlot zu erzeugen. Er sollte sich an den grossen Weinen aus Bordeaux orientieren. Er schloss Weinberge zusammen und gründete 1985 die Vinattieri Ticinesi, die dem Tessiner Wein ein neues Image verlieh und seit damals den Vinattieri Rosso produziert, der zu einer Ikone in der Schweizer Weinszene geworden ist.

Grosse Weine entstehen aus Leidenschaft.

Seit 2018 ist das Weinimportgeschäft an Casa del Vino übertragen worden, während Vinattieri Ticino als Weingut von Michele Conceprio geleitet wird. Heute arbeiten 34 Personen unter den fachkundigen Augen des Önologen. 14 von ihnen kümmern sich um die Weinberge, denn Vinattieri verwendet fast ausschliesslich eigene Trauben: «Der Anbau in unseren eigenen Weinbergen ermöglicht uns die Kontrolle über jede Phase der Produktion und ist für das Unternehmen unerlässlich, um qualitativ hochwertige Weine zu erhalten», sagt der Direktor. Mit Parzellen im Mendrisiotto und in Lugano ist die Rebfläche von Vinattieri auf fast 100 Hektar angewachsen: Etwa 80 Prozent sind rote Sorten (Merlot und Cabernet Sauvignon in primis), der Rest sind weisse Sorten wie Chardonnay, Sauvignon blanc und Semillon, aus denen zum Beispiel der «Vinattieri Bianco» entsteht. «Das Terroir des Monte San Giorgio eignet sich besonders für den Anbau weisser Rebsorten: Der kalkhaltige Boden und das ideale Mikroklima tragen zu einer hervorragenden Reifung der Trauben bei. Sie verleihen den Weinen eine angenehme Mineralität. Der Chardonnay ist eine Rebsorte, die fast überall wächst, sich aber nur an bestimmten Orten mit Finesse entfaltet», erklärt Michele Conceprio.

SORTE FÜR ALLE WEINE
Das Kerngeschäft des Unternehmens sind jedoch seit jeher die Rotweine, von denen der «Roncaia» der beliebteste in der Gastronomie ist. «Er ist ein Verschnitt aus mehreren Barriques, hat die Struktur eines grossen Weins und ist angenehm zu trinken: Er bringt alles zusammen. Das Unternehmen vinifiziert ihn seit 1990», so Conceprio. Vinattieri begann erst spät mit der Produktion von weissem Merlot, aber heute ist der Roncaia Bianco in seiner Kategorie sehr bekannt. «Die Hauptrebsorte des Kantons Tessin liefert hervorragende Ergebnisse, unabhängig davon, ob sie als Rot-, Rosé oder Weisswein vinifiziert wird. Diese Eigenschaft haben ein Pinot Noir oder ein Cabernet Sauvignon nicht», erklärt Conceprio.

DIE TÜCKEN DES WETTERS
Conceprio hebt auch die Fähigkeit des Merlot hervor, das Terroir zum Ausdruck zu bringen. Gleichzeitig reagiere er gut auf den ökologischen Weinbau und widersteht heftigen Niederschlägen. Die Niederschläge sind ein entscheidender Faktor für den Weinbau: Sie sind notwendig, aber schädlich, wenn sie in bestimmten Reifestadien zu stark ausfallen. «In den letzten Jahren gab es keine katastrophalen Jahrgänge, nur einige leichtere oder schwierigere. Aber vielleicht hängt das auch von der eigenen Wahrnehmung ab», räumt der Önologe ein. «Mit der Erfahrung beurteilt man die Witterungsverhältnisse mit mehr Augenmass. Der schlimmste Jahrgang, an den ich mich erinnere, war 1992: Es regnete den ganzen September und die Trauben verfaulten am Stock. Wir konnten nur sehr wenige retten.» Die Bewältigung der klimatischen Herausforderungen sei nicht nur eine Frage des Optimismus. Auch gute agronomische Praktiken seien für das Wohlergehen der Trauben unerlässlich. «Im Vergleich zu früher greifen wir anders und natürlicher in den Weinberg ein», erklärt Michele Conceprio. «Wir düngen nicht, es sei denn, die Pflanze hat es nötig. Wir versuchen, mit der Begrünung zwischen den Reihen eine ‚Konkurrenz‘ zu schaffen. Und wir lassen eine grössere Laubwand stehen: All dies, um die Reifezeit zu verlängern und somit perfekt ausgewogene Trauben zu erhalten. Die erzeugten Rotweine profitieren davon in Bezug auf die Farbe und die aromatische Persistenz.» So gesehen kann vielleicht sogar der Klimawandel eine Chance für die Zukunft der Tessiner Winzer und Winzerinnen sein.

MICHELE CONCEPRIO
Alter:
61
Erste Weinlese: Als Kind im Weinberg der Familie
Hobbys: Velofahren und Wandern in den Bergen
Kindheitstraum: Imker werden
Lieblingsmusik: Ich habe Saxophon gespielt und liebe Jazz
Bevorzugte Rebsorte: Pinot Noir, ich schätze seine Finesse und seine Ausgewogenheit
Welche Ihrer Weine würden Sie zur Verkostung empfehlen? Den Masserone, der aus unserer jüngsten Parzelle stammt, die etwa 15 Jahre alt ist, und den Ausblick des Weinguts in die Zukunft darstellt

 

Text: Elisa Pederazzini
Foto: zvg