Montag, 24.08.2026

Trendige Teigtaschen aus Tibet

Die Gründerinnen des «House of Momos» stellen nicht nur äusserst erfolgreich tibetische Teigtaschen her, sondern achten auch auf ihre kulinarische Identität. Der steinige Weg wird mit Erfolg gekrönt.

In Reih und Glied liegen sie da, die handgemachten Momos in der Produktionsküche von «House of Momos» in Adliswil ZH. Sie erinnern an perfekte Muscheln und wirken absolut gleichmässig. Aber nicht für Dechen Jangma. «Ich sehe Unterschiede. Ich kann sogar daraus lesen, wer welches Momo gemacht hat!», so die Gründerin und Produktionsleiterin. Die Aussage veranschaulicht, dass hinter den kleinen tibetischen Teigtaschen, die die Schweiz im Sturm erobert haben und an Festivals, Take-away-Ständen und bei Lieferdiensten nicht mehr fehlen dürfen, mehr steckt als man denkt. Zum Beispiel in Jangmas Lieblingssorte: Die mit Rindfleisch gefüllten Teigtaschen brauchen einen anderen Teig als Momos mit Gemüsewürfeln oder einer Käsemischung. Anne Riewoldt, die zweite Gründerin und Inhaberin erklärt: «Für diesen Teig braucht es Backpulver, dann wird er schön fest. Wenn man in das Fleischmomo beisst, muss ein wenig Flüssigkeit in den Mund laufen – dann ist es perfekt.» Die gebürtige Deutsche ist dank ihrer Freundin Dechen Jangma ebenfalls zum Momo-Profi geworden. Zuerst kam die Idee, sich zusammen selbstständig zu machen. Dann fiel der Entschluss, auf Momos zu setzen. 

Ideal bleibt bestehen

Dass die Momos so gut ankommen, hätte Dechen Jangma nicht gedacht. Für die Teigtaschen steuerte sie ihre traditionellen Familienrezepte bei. «Seit der Gründung 2021 ist das ‘House of Momos’ langsam und kontinuierlich gewachsen», erzählt Riewoldt. «Wir sind überzeugt davon, dass unsere Momos hochwertig bleiben müssen. Das bedeutet gute Zutaten und Handarbeit.» Leicht sei es nicht gewesen. Beim Aufbau des Unternehmens kam es immer wieder zu finanziellen Engpässen, unter anderem auch, weil Jangma und Riewoldt an ihren Prinzipien festhalten. Eine maschinelle Produktion kommt für sie nicht infrage. «Unser Team, das vor allem aus Tibeterinnen und Tibetern besteht, ist für uns sehr wichtig. Entsprechend bezahlen wir sie gut, denn nur so entstehen unsere handgemachten Momos», so Riewoldt. Maschinell hergestellte Momos schmecken nicht so, wie sie sollen, darin sind sich die beiden einig. Und Riewoldt ergänzt noch: «Wir möchten uns jeden Tag mit im Spiegel anschauen und zu unserer Arbeit stehen können.» 

Appenzeller Käse und Kartoffeln

Flexibler hingegen sind sie bei den Neuinterpretationen der Momos. Auch wenn sich Dechen Jangma zuerst sträubte, zum Beispiel gegen die Sorte mit Appenzeller Käse und Kartoffeln. «Heute schmeckt sie mir ausgezeichnet», sagt sie. Aber die Klassiker sind und bleiben Rindfleisch, die vegetarische Version mit Kartoffeln, Erbsen, Gemüse, Zwiebeln und Paneer sowie eine ähnliche, aber vegane Variante. Und weil die würzige Füllung, der feine Teig und die schöne Form für die Momos sprechen, braucht es gar nicht mehr viel, um sie zu servieren. «Ein wenig Sesam oder etwas Frühlingszwiebelgrün, dazu Soja- oder Chilisauce», erklärt Dechen Jangma. Man kann sie aber auch frittieren, mit Joghurtsauce servieren oder in einer Brühe anrichten. Aber in der Schweiz werden die Momos ohnehin heiss geliebt. Dechen Jangma sagt: «Die Begeisterung für diese Spezialität aus meiner Heimat freut mich wirklich sehr.» 

 

Anne Riewoldt
Alter: 42 
Hobbys: Reisen und Wein trinken – am besten kombiniert 
Lieblingsmomo: Vegane Momos 

Dechen Jengma
Alter: 41 
Hobbys: Wandern und Camping in den Bergen 
Lieblingsmomo: Rindsmomo 

 

Text: Simone Knittel 
Foto: Christoph Kaminski